Erfahrungen mit der Magnetantenne GS3-SE

 Seit mehr als zwei Jahren bietet die Firma Grahn Spezialantennen [1] das modular aufgebaute Antennensystem GS3-SE an. Bereits die Vorgänger GS2 und GS2-SE erhielten gu- te Noten von der Fachpresse [2]. Das Funktionsprinzip einer Magnetantenne beibehaltend, ist die GS3-SE durch ein modifiziertes Basisgerät gekennzeichnet, das etwas größer ausfällt als sein Vorgänger und einen höheren Bedienkomfort besitzt. Die Stromversorgung kann wahlweise aus einem Steckernetzteil oder aus Akkus / Batterien erfolgen. Der Bedarf von acht Mignonzellen ist nicht gerade wirtschaftlich, macht das Gerät jedoch tauglich für Feld- einsätze.

Um die Leistungsfähigkeit dieser Magnetantenne zu verdeutlichen, möchte ich Empfangs- ergebnisse aus dem Zeitraum Juli / August 2003 am heimatlichen Standort Erfurt anführen. Als eigentliche Antenne fand der für den Frequenzbereich 250 kHz – 30 MHz geeignete Mag- netrahmen ML2 mit 6-stufiger Bereichsumschaltung Verwendung. Empfänger war zunächst ein Sony ICF-SW7600G.

Nichtgerichtete Baken der Flughäfen Leipzig und Altenburg konnten auf 434 kHz bzw. 330 kHz mit leisem Signal, jedoch hundertprozentig lesbar empfangen werden.

Danmarks Radio auf 1062 kHz (Kalundborg) ist mit der eingebauten Ferritantenne des Weltempfängers tagsüber nicht zu hören. Mit der GS3-SE sind am Tage SINPO-Werte von 24322 bis 34433 zu erreichen. Radio Schweden konnte vor Einsetzen der Dämmerung um 18.30 UTC auf 1179 kHz (Sölvesborg) mit SINPO 34433 bis 44444 aufgenommen werden.

Für den Empfang starker europäischer Rundfunksender, wie BBC, Deutsche Welle, Stimme Russlands, die bereits mit Teleskopantenne gut zu empfangen sind, ist eine GS3-SE natürlich keine Notwendigkeit. Wer sie dennoch für diese Kategorie von Sendern verwendet, hat den angenehmen Nebeneffekt ungestörter, ruhiger und klanglich einwandfreier Signale, was bei eventuellen Mitschnitten von Nutzen ist.

Rundfunksender aus Übersee, mit Behelfsantennen von 4 – 5 m Draht nur schwach bis mittelmäßig zu hören, werden mit der GS3-SE in ihrer Hörbarkeit um mindestens eine Qualitätsstufe angehoben. Radio Australia kommt gegen 15.40 UTC auf 9475 kHz mit SINPO 35433 herein. AFRTS ist auf der Island-Frequenz 13855 kHz in SSB (oberes Seitenband) um 18.50 UTC lautstark mit 45444 zu hören. Das deutsche Programm von HCJB Quito kann um 20.00 UTC auf 17795 kHz in Ortssender-Qualität mit SINPO 55444 empfangen werden. Mit der vormals verwendeten Drahtantenne war diese Station gerade so aus dem Rauschen herauszulesen.

Als eine Art Nagelprobe gilt der Empfang auf Tropenbandfrequenzen. Afrikanische Musik ist nach ein wenig Suchen um 21.30 UTC auf 4835 kHz sowie auf 4845 kHz mit jeweils 34433 zu hören. Dabei dürfte es sich um Stationen aus Bamako bzw. Nouakchott handeln.

Zu einem interessanten Erlebnis wird das Belauschen von Utility-Stationen. So ist zum Beispiel Stockholm Radio gegen 17.00 UTC auf 8930 kHz relativ schwach, aber klar und deutlich zu lesen mit SINPO 35543. Die Wetterinformationen für Flugzeuge von Shannon Volmet sind tagsüber auf 13264 kHz mit SINPO 45444 zu empfangen. Das S-Meter des Amateurfunktransceivers IC728 zeigt S7 bei dieser Station.

Und Amateurfunk? Zwei Beispiele unter Verwendung des Empfängers des IC728 sollen genügen. Das dicht belegte 40-m-Band liegt nach Einsetzen der Dunkelheit mit einem hohen Signalpegel an. Mit Hilfe des eingebauten Abschwächers kann in 10-dB-Schritten bis maximal –50 dB praktisch jedes Signal übersteuerungsfrei eingestellt werden. QRM lässt sich teilweise durch Drehen des Rahmens eliminieren. Mit etwas Fingerspitzengefühl können selbst bei überbelegtem Band die meisten Stationen lesbar herausgefiltert werden.

Zwei in Telegrafie arbeitende Conteststationen mit den Präfixen RG9 und RU9 rufen gegen 09.30 UTC im vermeintlich geschlossenen 10-m-Band CQ. Die Reaktion aus Mitteleuropa fällt eher spärlich aus.

Sämtliche genannten Beispiele stellen sicher keine DX-Sensationen dar, zeigen aber, dass man ohne das lästige Einholen von Genehmigungen zumindest empfangsmäßig mit einer Innenantenne an der Welt des Funks von Lang- bis Kurzwelle teilhaben kann.

Abstimmen auf neue Frequenzen und Nachstimmen bei geringen Frequenzänderungen können bei Empfängern mit S-Metern innerhalb von ein paar Sekunden vorgenommen werden. Mechanischer Schwachpunkt der Antenne ist die BNC-Verbindung zwischen Basisgerät und Bereichsumschalter. Gegen herumtollende Kinder oder eine putzwütige Hausfrau kann diese Anordnung nicht bestehen.

Ausschlaggebend für meine Kaufentscheidung war das Vorhandensein eines zuschaltbaren Konverters, der den unteren Frequenzbereich von 0 bis 2000 kHz um 10 MHz heraufsetzt. Auf diese Weise wird der gesamte Längst- und Langwellenbereich zugänglich. Manche Weltempfänger, deren externer Antenneneingang erst im Kurzwellenbereich wirksam ist, können mit Hilfe des Konverters nun auch auf Lang- und Mittelwelle mit der Magnetantenne gespeist werden.

Außer dem Magnetrahmen ML2 sind mehrere Ferritmodule im Angebot, so zum Beispiel ein Modul „Nautic“ für den Frequenzbereich von 100 kHz bis 600 kHz. Die Firma Grahn arbeitet weiterhin an neuen Produkten. Ferritmodule für bestimmte Frequenzbereiche bis maximal 4 MHz sollten aktuell nachgefragt werden. Auf Anfrage kann unter anderem ein Ferritmodul angefertigt werden, welches den Empfang des Längstwellensenders Grimeton auf 17,2 kHz ermöglicht.

In naher Zukunft soll es eine reisetaugliche Variante des Antennensystems geben.

 
[1] www.grahn-spezialantennen.de

[2] Antennen, Sonderpublikation der Zeitschrift „funk“, Verlag für Technik und Handwerk Baden-Baden 1997